Karin Steinherr

Karin Steinherr bei first-togethernessIch bin Karin Steinherr und wurde 1974 im bayrischen Neuburg/Donau geboren. Ich bin seit 20 Jahren verheiratet und habe 4 Kinder. Zusammen mit meinem Mann betreibe ich einen landwirtschaftlichen Hof, dem eine kleine Gaststätte angeschloßen ist. Über die all die Jahre hinweg habe ich funktioniert und geschwiegen, doch erst seit ich begonnen habe zu Reden, kann ich mich nach und nach von meiner Vergangenheit lösen.

Kurzer Einblick in meine Geschichte

Nach dem Tod meines Vaters im Frühjahr 1983, fand meine Mutter bereits ein halbes Jahr darauf eine „neue Liebe“. Doch dieser neue „Vater“, der sich sehr um mich kümmerte und sorgte, hatte mehr Interesse an mir, als an meiner Mutter. Mein Martyrium begann. Über Jahre hinweg wurde ich von ihm und später auch von dessen bestem Freund sexuell missbraucht. Nachdem mein „Stiefvater“, der Wiederholungstäter war, 1997 zu 5 1/2 Jahre verurteilt wurde und in psychiatrische Behandlung kam, wo er später verstarb, ließ dessen Freund trotzdem nicht von mir ab. Bis ins Erwachsenenalter hinein verfolgte er mich und zwang mich immer wieder zu sexuellen Handlungen. Durch einen Schicksalsschlag fand dieser Horror schließlich vor ein paar Jahren sein Ende. Zeitgleich begann ich auch mich zu öffnen und vertraute mich ein paar Freunden an. Es tat mir gut „darüber“ zu sprechen, auch wenn es mir Anfangs den Boden unter den Füßen wegzog. Durch die Gespräche und die Therapie, die ich mich entschloß zu machen, habe ich begriffen, das nicht ich die Schuld dafür zu tragen habe. Ich wollte etwas positives aus all dem Leid das ich ertragen mußte machen und nachdem ich in der Therapie immer wieder auf Frauen traf, die ebenso sexuelle Gewalt erfahren mußten, entschloß ich mich eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Da es für die meisten Frauen aber in einer Gruppe schwer ist zu reden, wurde ich fast ausschließlich um Einzelgespräche gebeten in denen ich versuche den Frauen Mut zu machen und meine Erfahrungen die ich gemacht habe weiter zu geben. Da das Thema „sexueller Missbrauch“ noch immer ein großes TABU in unser Gesellschaft darstellt, möchte ich mit meinen Vorträgen an Schulen die Jugendlichen dazu motivieren, sich „anzuvertrauen“ und genauer hinzusehen. Jedem Kind und jeder Frau und natürlich auch jedem Mann, dem sexuelle Gewalt in welchen Art und Weise auch immer angetan wird, ist einer zu viel.

GEMEINSAM BRECHEN WIR DAS SCHWEIGEN!

In den Medien:

Kulturkanal Ingolstadt – Interview mit Johannes Seifert (03.03.2017)